Our map is in the Rucksack

Wir wachen ausgeruht auf, denn ich habe vergessen, den Handywecker zu stellen. Halb neun und 10 Uhr Start. Scheiße. Mike ist echt fantastisch und fängt gleich an, Nudeln zu kochen. Ich trinke Kaffee, rauche, gehe aufs Klo. Umziehen, essen, in die nassen Schuhe rein, Regenjacke über und ab zum Start. Die Interviewerin spricht mich erst auf CZ, dann auf E auf meinen Helmüberzug und dann darauf an, warum wir nicht wie alle hier einen Kartenhalter am Rad haben. Ich sage zu mir, so ein Ding wollt ich immer schon haben, ist bloß verdammt teuer, aber eigentlich essentiell für derlei Sachen. Zu Ihr und ins Mikro stammle ich irgendwas in der Art „our map is in the Rucksack“. Glücklicherweise ist das Mikro nicht ausreichend nah an meinem Sprachorgan, sodass nur etwa 500 Leute den Blödsinn hören, den ich da grad erzähle. Gleich nach dem Start sind die bikes wieder eingesaut, die trockene Hose nass und die Schuhe als Fußbad zweckentfremdet. Aber der Antrieb funktioniert hervorragend, dank intensiver Wartung und Investition an richtiger Stelle. Wir kurbeln durch den Modder dem heißen Start entgegen. Heute nur ein kurzer Blick darauf, unsere Route stand eher schon mehr oder weniger fest. Wir entscheiden uns für die nordöstliche Runde, gespickt mit einem 30er, 80er und einigen Posten von geringer Wertigkeit. Prompt fahren wir den falschen Berg hinauf, der sich als Sackgasse entpuppt und an der Wand eines Steinbruchs endet. Zurück und den richtigen Weg genommen, durch die Reihen der zum Morgenappell angetreten tschechischen Armee. Am zweiten Posten verfahren wir uns um zwei Kilometer, finden ihn aber dennoch. Zum nächsten Posten geht’s großteils bergab. Zeit zu verschnaufen und rollen zu lassen. Unglücklicherweise dezimierte der Schlamm meine neuen Bremsbeläge so stark, dass keine Bremswirkung mehr am Hinterrad zu spürbar ist, nur noch vorne ist ein Ansprechverhalten erahnbar. Nach dem Posten wieder kilometerlanges Bergaufgefahre, welches wir uns durch einen intensiveren Blick auf die Karte hätten ersparen können. Zwei Posten sind noch avisiert und zwei Stunden sind noch Zeit. Wir kämpfen uns durch und erreichen beide mit knietiefen Flussdurchfahrten, Schlammwiesen und einem Sturz meinerseits. Nun hurtig zurück ins Ziel, die Zeit wird knapp. Auf Asphalt bergauf, wir haben gerade einen guten Tritt, da touchiert M. eine Fahrerin beim Überholen.Beide stürzen, die Fahrerin ist am jammern und fluchen, es hat sie schwer getroffen. Wir warten und fragen, ob alles okay sei, sie sagt irgendwas, was wir nicht verstehen. Weiterfahren, endlose Straßen, 15 Minuten vor Torschluss nehmen wir noch mal richtig Fahrt auf, der Magenta-Express rollt. Wenige Kilometer vorm Ziel ein Fotograf. Ich schaffe es gerade noch, lässig die Hand zu heben und freundlich zu gucken, dann müssen wir auch schon eine Vollbremsung hinlegen, da eine Schranke urplötzlich den Fahrweg versperrt. Absteigen, durch, Vollgas weiter. Nur noch 3-4 Minuten verbleiben. Am Wettkampfzentrum die Wiese wieder runter, den Pflichtendposten holen und mit letzter Kraft die Wiese wieder hoch – Zielankunft. 4 Minuten und 37 Sekunden zu spät, kostet 10 Punkte. Ist uns aber jetzt auch egal. Wir stellen uns an die Bikewaschstation an.

Es dauert trotzdem aber wieder eine gute Stunde, bis wir dran sind. Nur für wenige Minuten blinzelt die Sonne durch den regenverhangenen Himmel. Zusammenpacken, Auto beladen, Falk und Björn haben einen fantastischen dritten Platz belegt – Gratulation noch mal an dieser Stelle. Wir haben auch einen fantastischen Platz belegt, nämlich den 125. Wie auch schon gestern wollte Schumo nicht über seine Etappe reden.

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